Von der Quote zur Wahrscheinlichkeit – und wo die Marge steckt
Wie aus einer Dezimalquote eine Wahrscheinlichkeit wird, wo der Aufschlag des Anbieters sitzt und was die Wettsteuer von 5,3 % daran ändert – Schritt für Schritt nachgerechnet.
Ausführlich mit Tabellen und Rechenbeispielen: Quoten verstehen
1Die Quote 2,05 heißt: 10 € Einsatz bringen bei einem Treffer 20,50 € zurück.
Eine Dezimalquote ist zuerst ein Auszahlungsversprechen. Bei 2,05 erhalten Sie für jeden eingesetzten Euro 2,05 € zurück, wenn der Tipp aufgeht, den Einsatz eingeschlossen. Bei 10 € Einsatz sind das 20,50 € Auszahlung, davon 10,50 € Gewinn. Je niedriger die Quote, desto eher rechnet der Anbieter mit dem Ereignis.
21 ÷ 2,05 = 0,488 – in diesem Preis stecken 48,8 % Wahrscheinlichkeit.
Hinter jeder Quote steht eine Einschätzung, wie wahrscheinlich der Ausgang ist. Die Formel ist kurz: Wahrscheinlichkeit gleich 1 geteilt durch die Quote. Aus 2,05 wird 0,488, mit 100 multipliziert 48,8 %. Man spricht von der impliziten Wahrscheinlichkeit, weil sie nirgends ausgeschrieben steht, sondern in der Zahl steckt. Sie enthält noch den Aufschlag des Anbieters.
3Ein Anbieter, drei Ausgänge: 1,95 / 3,90 / 3,40 ergeben zusammen 106,3 %.
Ein Fußballspiel hat drei Ausgänge: Heimsieg, Remis, Auswärtssieg. Ohne Aufschlag ergäben ihre Wahrscheinlichkeiten zusammen genau 100 %. Bei einem einzelnen Anbieter mit den Quoten 1,95, 3,90 und 3,40 sind es umgerechnet 51,3 % plus 25,6 % plus 29,4 %, zusammen 106,3 %. Die Summe liegt also über der Grenze, die ein fairer Preis einhalten würde.
4Was über 100 % liegt, ist die Marge: 6,3 Prozentpunkte. Zurück fließen 94,0 %.
Der Überhang über 100 % heißt Buchmachermarge oder Overround. Im Beispiel beträgt er 6,3 Prozentpunkte. Die rechnerische Auszahlungsquote ist 1 geteilt durch 1,063, also 94,0 %: Von 100 € Einsatz fließen im Schnitt 94 € an die Wettenden zurück. Je kleiner die Summe, desto günstiger der Markt – der Blick auf die Summe ist der schnellste Vergleich.
5Marge herausgerechnet: Aus 1,95 wird die faire Quote 2,07, dazu 4,15 und 3,62.
Die faire Quote entsteht, wenn man die Marge herausrechnet. Der einfachste Weg teilt jede implizite Wahrscheinlichkeit durch die Summe. Mit den ungerundeten Werten ergibt das 48,2 %, 24,1 % und 27,7 %, zusammen genau 100 %. Die Kehrwerte sind die fairen Quoten 2,07, 4,15 und 3,62. Das ist eine Näherung, denn Anbieter verteilen ihre Marge nicht zwingend gleichmäßig.
6Beste Quoten mehrerer Anbieter: 2,05 / 4,40 / 3,60 – die Summe fällt auf 99,3 %.
Für Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln stehen die Bestquoten 2,05, 4,40 und 3,60, jede die höchste für ihren Ausgang. Umgerechnet ergibt das 48,8 % plus 22,7 % plus 27,8 %, zusammen 99,3 %. Das ist kein Rechenfehler: Die Quoten stammen von verschiedenen Anbietern, und kein einzelner bietet alle drei zugleich an. Verlässlich Geld verdienen lässt sich damit trotzdem nicht.
7Wettsteuer 5,3 % vom Einsatz: Aus 2,05 wird 1,94, die Summe steigt auf 104,8 %.
Auf Sportwetten erhebt der Staat in Deutschland 5,3 % Steuer auf den Einsatz. Wird sie vom Einsatz abgezogen, wirkt das wie eine niedrigere Quote: 2,05 mal 0,947 ergibt 1,94. Für das Frankfurter Beispiel steigt die Summe von 99,3 % auf 99,3 geteilt durch 0,947, also 104,8 %. Die Rechnung vereinfacht, denn Anbieter behandeln die Steuer unterschiedlich.
8Jetzt Sie: drei Quoten eintragen – die Seite rechnet Prozent, Summe und Marge.
Tragen Sie die Quoten für Heimsieg, Remis und Auswärtssieg eines Spiels ein. Die Szene rechnet jede Quote in die implizite Wahrscheinlichkeit um, addiert die drei Werte und zeigt die Marge als Abstand zur Grenze von 100 %. Die Markierung Steuer zeigt, wo die Summe nach 5,3 % Wettsteuer vom Einsatz liegt. Vergleichen Sie Quoten immer zusammen mit der Steuerregel des Anbieters.
Quellen und Rechengrundlage: Alle Werte in der Szene berechnet die Seite selbst aus den genannten Quoten.